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Workshop Bewegungsförderung

Workshop Bewegungsförderung

Penzlin setzt Impulse für mehr Bewegung im Kindesalter

Wie lassen sich wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Ideen und bestehende Förderprogramme so verbinden, dass Kinder in Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich mehr in Bewegung kommen? Mit dieser Leitfrage trafen sich am 5. Mai 2026 Fachschaftsleitende Sport, Grundschullehrkräfte, Schulsportberater sowie Haupt- und Ehrenamtliche aus dem Vereinssport im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in der „Neuen Burg“ in Penzlin. Eingeladen hatten der Kreissportbund MSE und Landessportbund MV, die gemeinsam den Blick auf die Region und das landesweite Projekt „BewegungsCHECK MV“ richteten.

Zu Beginn des Workshops stellte Martin Schlegel (Institut für Sportwissenschaft, Universität Rostock) eindrücklich dar, warum Bewegungsförderung im Kindesalter mehr ist als „nur“ Sport. Regelmäßige körperliche Aktivität unterstützt motorische, kognitive, soziale und emotionale Entwicklung und gilt als „Eintrittskarte“ für ein lebenslanges gesundheitsförderndes Bewegungsverhalten. Gleichzeitig verfehlen noch immer die meisten Kinder die aktuell von der WHO empfohlenen 60 Minuten tägliche Bewegung und verbringen deutlich mehr Zeit sitzend und vor Bildschirmen. Die Präsentation zeigte: 2 von 10 Kindern entwickeln bereits während der Schulzeit Übergewicht, lange Bildschirmzeiten erhöhen nachweislich das Risiko für Bewegungsmangel, Schlafstörungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen. Diese Daten bildeten den fachlichen Rahmen für den anschließenden Blick auf die Situation im Landkreis MSE. Im Mittelpunkt standen aktuelle Ergebnisse des Projektes „BewegungsCHECK MV“, mit dem der Landessportbund M-V in Kooperation mit der Universität Rostock seit mehreren Schuljahren die motorische Leistungsfähigkeit von Grundschulkindern erfasst. Für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wurden motorische Talente ebenso sichtbar wie Entwicklungsdefizite – und zwar im Verlauf über mehrere Schuljahre.

Besonders anschaulich war die Auswertung zur körperlichen Aktivität und Vereinsanbindung: 71 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler gelten als körperlich aktiv, 29 Prozent als nicht aktiv, zugleich ist die Verteilung nach Sportvereins- und AG-Teilnahme sehr unterschiedlich. Die präsentierten Diagramme zeigten, dass Kinder, die in Sportvereinen aktiv sind oder zusätzlich Schulsport-AGs besuchen, deutlich seltener multiple motorische Defizite aufweisen und häufiger als „Multitalente“ eingestuft werden. Damit lieferte der Workshop eine klare Botschaft: Strukturen der Kooperation von Schule und Verein wirken direkt auf die motorische Entwicklung.

Auf Basis der aktuellen Anmeldelisten und Testtage im Schuljahr 2025/26 wurde im Workshop sichtbar, wie breit der Landkreis MSE bereits im Projekt vertreten ist. Von Grundschulen in Friedland, Neubrandenburg, Neustrelitz, Waren (Müritz), Dargun, Röbel, Feldberg, Malchin, Demmin und vielen weiteren Standorten bis hin zu Penzlin selbst reicht die Palette der teilnehmenden oder interessierten Schulen. Unterstützt werden sie von einer Vielzahl an Sportvereinen und Partnern, die sich als Helfende bei Testtagen und Bewegungsangeboten einbringen – darunter Fußball- und Handballvereine, Schwimm- und Rettungsorganisationen sowie Mehrspartenvereine aus der Region. Der Workshop nutzte diese Ausgangslage, um gemeinsam mit Schulleitungen, Sportlehrkräften und Vereinsvertretern weitere Schritte für das Schuljahr 2025/26 anzubahnen.

Ein Schwerpunkt der Veranstaltung lag außerdem auf der Frage, wie sich die Erkenntnisse aus dem BewegungsCHECK MV unmittelbar in mehr Bewegung im Schulalltag übersetzen lassen. Dazu stellten die Referierenden eine Vielzahl praxisnaher Bausteine vor – von kurzen „Bewegten Pausen“ im Unterricht bis hin zu Projekten rund um aktive Schulwege und Special-Events. Damit gute Ideen nicht an Ressourcen scheitern, bot der Workshop einen Überblick über bestehende Programme und Förderungen, die Schule-Verein-Kooperationen und Bewegungsförderung in MV unterstützen.

Zum Abschluss verdeutlichten Studienergebnisse, dass körperliche Aktivität nicht nur Haltungsschäden, Übergewicht und kardiovaskulären Erkrankungen vorbeugt, sondern auch die mentale Gesundheit und kognitive Leistungsfähigkeit stärkt.  Die Referierenden betonten: Ausreichende Bewegung verbessert Durchblutung und Versorgung des Gehirns, unterstützt exekutive Funktionen, Lernfähigkeit und Emotionsregulation und kann als Schutzfaktor gegen riskante Verhaltensweisen wirken. Damit wurde deutlich, dass jeder zusätzlich geschaffene Bewegungsanlass in Schule und Verein ein Baustein für gesündere und leistungsfähigere Kinder in Mecklenburg-Vorpommern ist.

Katherina Kammlodt
Referentin Bewegungsförderung für Kinder und Jugendliche